Vanadium – Steckbrief
- Symbol
- V
- Ordnungszahl
- 23
- Atommasse
- 50,942 u
- Periode
- 4
- Gruppe
- 5
- Kategorie
- Übergangsmetall
- Elektronenkonfiguration
- [Ar] 3d³ 4s²
- Elektronegativität
- 1,63
- Atomradius
- 171 pm
- Valenzelektronen
- 5
- Aggregatzustand (Standardbedingungen)
- fest
- Schmelzpunkt
- 1910 °C
- Siedepunkt
- 3407 °C
- Dichte
- 6 g/cm³
- Entdeckt
- 1801
Vanadium ist ein hartes, silbergraues Übergangsmetall mit der Ordnungszahl 23. Seinen Namen verdankt es den prächtigen Farben seiner Verbindungen, die je nach Oxidationsstufe violett, grün, blau oder gelb sind. Als reines Metall sieht man Vanadium selten. Seine Bedeutung liegt im Stahl: Schon kleine Zusätze machen Werkzeuge, Federn und Achsen deutlich fester und zäher. In Zukunft könnte Vanadium außerdem in großen Batteriespeichern für Strom aus Wind und Sonne eine Rolle spielen.
Stellung im Periodensystem
Vorkommen und Gewinnung
Vanadium ist in der Erdkruste häufiger als Kupfer oder Zink, aber weit verteilt. Es steckt in vielen Mineralen, etwa im Vanadinit, einem roten Bleimineral, und im Carnotit, der auch Uran enthält. Größere Mengen finden sich in titanhaltigem Magneteisenerz. Auch Erdöl, Kohle und Ölschiefer enthalten Vanadium, das sich in Rückständen und Flugasche anreichert. Die wichtigsten Förderländer sind China, Russland, Südafrika und Brasilien.
Die Entdeckungsgeschichte ist verwickelt. Der spanisch-mexikanische Mineraloge Andrés Manuel del Río fand das Element 1801 in einem Bleierz aus Mexiko. Ein französischer Chemiker hielt seine Probe jedoch für verunreinigtes Chrom, und del Río zog seine Entdeckung zurück. Erst 1830 fand der Schwede Nils Gabriel Sefström das Element erneut, in schwedischem Eisenerz. Er benannte es nach Vanadís, einem Beinamen der nordischen Göttin Freya, wegen der schönen Farben seiner Verbindungen. Nahezu reines Vanadium stellte erst 1867 der englische Chemiker Henry Roscoe her.
Heute fällt Vanadium meist als Nebenprodukt an: Beim Verhütten vanadiumhaltiger Eisenerze reichert es sich in der Schlacke an, aus der man es als Vanadiumpentoxid gewinnt. Für die Stahlindustrie wird es mit Eisen zu Ferrovanadium reduziert.
Eigenschaften und Reaktionen
Vanadium steht in Periode 4 und Gruppe 5 und hat die Elektronenkonfiguration [Ar] 3d³ 4s². Seine Elektronegativität beträgt 1,63. Das Metall hat eine Dichte von 6 g/cm³, schmilzt bei 1910 °C und siedet bei 3407 °C. Reines Vanadium ist zäh und gut verformbar; schon geringe Verunreinigungen mit Sauerstoff, Stickstoff oder Kohlenstoff machen es hart und spröde. Eine dünne Oxidschicht schützt es an der Luft vor Korrosion, auch gegen Salzwasser und viele Säuren ist es recht beständig.
Chemisch besonders ist die Vielfalt der Oxidationsstufen. Vanadium kann die Stufen plus zwei, plus drei, plus vier und plus fünf annehmen, und jede hat in wässriger Lösung ihre eigene Farbe: violett, grün, blau und gelb. Ein beliebter Schulversuch zeigt das: Gibt man Zink zu einer angesäuerten, gelben Vanadatlösung, wird sie nacheinander blau, grün und schließlich violett, weil das Zink das Vanadium Schritt für Schritt reduziert.
Die wichtigste Verbindung ist Vanadiumpentoxid, V₂O₅, ein orangefarbenes Pulver. Es wirkt als Katalysator, weil es leicht Sauerstoff abgibt und wieder aufnimmt. Es ist giftig und in der EU als krebserzeugend eingestuft.
Verwendung in Alltag und Technik
Der größte Teil des Vanadiums geht in die Stahlherstellung. Schon geringe Zusätze bilden im Stahl winzige, harte Carbide, die das Gefüge feinkörnig machen. Dadurch wird der Stahl fester, zäher und verschleißfest. Chrom-Vanadium-Stahl ist ein typischer Werkstoff für Schraubenschlüssel, Bohrer und Federn, und hochfeste Baustähle für Brücken, Rohrleitungen und Bewehrungen enthalten ebenfalls Vanadium. Schon Henry Ford ließ für sein Modell T Teile aus Vanadiumstahl fertigen, weil sie leichter und trotzdem belastbarer waren.
In der Luft- und Raumfahrt und in der Medizin wird eine Titanlegierung mit Aluminium und Vanadium verwendet, etwa für Triebwerksteile und Hüftgelenke. Vanadiumpentoxid ist der Katalysator im Kontaktverfahren, mit dem Schwefelsäure hergestellt wird; dort beschleunigt es die Oxidation von Schwefeldioxid zu Schwefeltrioxid.
Ein neueres Einsatzfeld sind Vanadium-Redox-Flow-Batterien. In ihnen lagert die Energie in zwei Tanks mit Vanadiumlösungen in unterschiedlichen Oxidationsstufen. Solche Speicher altern kaum, lassen sich durch größere Tanks einfach erweitern und eignen sich deshalb, um Strom aus Wind- und Solaranlagen zwischenzuspeichern.
Moleküle mit diesem Element
- Bismutvanadat BiVO4
- Vanadium(V)-oxid V2O5
Kurz gefragt
Welche Ordnungszahl hat Vanadium (V)?
Häufige Fragen
Wofür braucht man Vanadium?
Vor allem für Stahl. Kleine Mengen Vanadium machen Stahl fester und verschleißfester, etwa in Werkzeugen aus Chrom-Vanadium-Stahl. Außerdem steckt Vanadium in Titanlegierungen für Flugzeuge und Implantate, als Katalysator in der Schwefelsäureherstellung und in großen Redox-Flow-Batterien.
Warum hat Vanadium so viele Farben?
Vanadium kann in Verbindungen zwei, drei, vier oder fünf Elektronen abgeben. Bei den Stufen plus zwei, plus drei und plus vier bleiben unterschiedlich viele d-Elektronen übrig, die verschiedene Anteile des sichtbaren Lichts absorbieren: Die Lösungen sind violett, grün oder blau. Vanadium(V) hat keine d-Elektronen mehr; seine gelbe Farbe entsteht, weil Licht Elektronen vom Sauerstoff zum Vanadium verschiebt.
Kommt Vanadium in Lebewesen vor?
Ja, einige Lebewesen reichern Vanadium stark an. Bestimmte Seescheiden speichern es in ihren Blutzellen, und der Fliegenpilz enthält eine Vanadiumverbindung namens Amavadin. Manche Algen und Bakterien nutzen Vanadium in Enzymen. Ob der Mensch Vanadium braucht, ist nicht belegt.